21.07.2021

Aufeinander zugehen - „Nacht der Kulturen“ fördert christlich-jüdischen Dialog: Auftakt gelungen

Hanau

© Andrea Pauly

Der erste Abend des neuen Veranstaltungsformat im Café Ellis wurde gestaltet von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und der Jüdischen Gemeinde Hanau.

Musik kennt keine Grenzen oder Sprachbarrieren und öffnet die Herzen. Als lebendiges und berührendes Beispiel für diese bekannte Weisheit präsentierte sich der Klezmer-Abend mit RomanKuperschmidt und seiner Band auf der großen Sommerterrasse des „Ellis“ an der Alten Johanneskirche.

Mit lebensbejahenden, fröhlichen Stücken, aber auch mit wehmütig melancholischen Klängen verzauberte der Ausnahme-Klarinettist mit seinen Musikern das andächtig lauschende und den Takt mitwippende Publikum. Das praktisch ausverkaufte Konzert war Auftakt des neuen Veranstaltungsformats „Nacht der Kulturen“ im Café Ellis in Kooperation mit der Volkshochschule der Stadt Hanau und dem Trägerverein Kulturzentrum Pumpstation.

Dieser erste Abend wurde gestaltet von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und der Jüdischen Gemeinde Hanau. Die „Nacht der Kulturen“, die nun alle zwei Monate stattfindet, gliedere sich in Themennächte mit verschiedenen Kulturschwerpunkten und umfasse Dialog, Programm und entsprechende kulinarische Begleitung. Sie solle zum Aufeinanderzugehen einladen um sich kennenzulernen, Vorurteile abzubauen und kulturellen Austausch zu fördern, erklärt uns Veranstalter Elias Kolbe vom „Ellis“. Die Erlöse für Speisen und Spenden werden an die jeweiligen Vereine oder Institutionen gespendet, welche die den Abend mitgestalten.

Gefördert wird die Reihe unter anderem auch vom Land Hessen und unterstützt von der Stadt Hanau. Im Rahmen des Klezmer-Abends gaben Pfarrer Heinz Daume, evangelischer Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hanau und Oliver Dainow, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Hanau, einen Einblick in den christlich-jüdischen Dialog in Hanau, Hessen und deutschlandweit wie auch in das jüdische Leben der Gemeinden in Hessen und vor allem in Hanau.

Daume stellte in seiner Rede heraus, dass es gelte, den Antisemitismus als Teil des Rassismus zurückzudrängen, aktiv zu hören, was „der andere denke“, „Kante zu zeigen“ und Zeichen zu setzen wie seinerzeit mit der Gedenkstätte an der Hanauer Ghettomauer. Dainow berichtete in seinem Vortrag unter anderem über die Geschichte der Hanauer jüdischen Gemeinde, die 2005 zum dritten Mal in der Geschichte Hanaus gegründet worden sei, zweimal war sie durch Pogrome zerstört worden – einmal im Spätmittelalter und einmal im Nationalsozialismus – und die aktuell 204 Mitglieder habe. Es habe auch Zeiten, Anfang des 20. Jahrhunderts, mit bis zu 650 Mitgliedern hier gegeben.

Nebenan in den Fluren der Alten Johanneskirche konnten die Besucher dann in der Pause die Ausstellung „das Recht des Anderen – 70 Jahre christlich-jüdischer Dialog in Deutschland“ erkunden, und es wurden jüdische und orientalische Speisen serviert, bevor Pfarrer Daume während des zweiten Konzertteils den Spendenhut herumgehen ließ. Mit bekannten jiddischen Stücken wie „Bei mir bist du sheyn“ und „Hava nagila“, aber auch mit Liedern aus dem Musical „Anatevka“ und berührenden jüdischen Liedern, wie „Goldenes Jerusalem“, rundeten Roman Kuperschmidt und seine Band den dialogstiftenden Abend ab.

 

(Quelle: Printausgabe des Hanauer Anzeiger vom 20.07.2021)

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