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22.09.2026

Videospiel „Echoes of Hanau" lässt die Judengasse von 1900 wieder aufleben

News Hanau

Ein Adventure-Spiel führt Spieler durch die historische Hanauer Judengasse – mit Figuren, die auf echten Vorlagen basieren. Im November soll eine erste Version erscheinen.


Die Hanauer Judengasse im Jahr 1900: Ein neues Jahrhundert ist angebrochen. In der Gasse leben Christen und Juden nebeneinander, begegnen sich im Alltag und tauschen sich aus. Die Judengasse wird so zum Brennglas der Hanauer Stadtgeschichte. Doch zugleich liegt etwas in der Luft. Durch neue Massenmedien verbreitet sich Propaganda. Vorstellungen von Überlegenheit, von „Rassen“ und von angeblicher Minderwertigkeit sickern zunehmend in die Gesellschaft ein.

Ein Videospiel lädt nun dazu ein, diese Zeit virtuell zu entdecken. Bei einer Konferenz im Kulturforum wurden erste Spielsequenzen aus „Echoes of Hanau“ vorgestellt. Das Ziel der Macher ist ehrgeizig: Im November soll eine erste Version des Spiels verfügbar sein, innerhalb von zwei Jahren soll es vollständig entwickelt werden. Anschließend soll das Spiel weiter ausgebaut werden – etwa um den Marktplatz, den Altstädter Markt und weitere Bereiche der historischen Hanauer Altstadt.

Mittendrin bei der Zeitreise

In der vorgestellten Spielszene läuft der Protagonist, der 15-jährige Karl, durch die Gassen und spricht mit einem Handwerker. Karl möchte sich bei ihm um eine Lehrstelle bewerben. Anschließend geht er in die Synagoge, wo die Gläubigen singen. Das Spiel soll ab zwölf Jahren geeignet sein und über die Internet-Vertriebsplattform Steam sowie über die Website des Projekts angeboten werden. Die Spieler erkunden historische Orte, führen Gespräche, sammeln Hinweise und setzen nach und nach die Zusammenhänge einer fiktionalen Geschichte zusammen, die eng mit dem realen historischen Umfeld verknüpft ist.

„Es soll die ganze Bandbreite des jüdischen Lebens in Hanau ab 1600 abbilden“, sagt Nils Hachmeister vom Verein Makers, einer der beteiligten Institutionen. An der Umsetzung sind zahlreiche Akteure beteiligt. Philipp Lach von Lach Design hat sich um das Rendering gekümmert und ein 3D-Modell der ehemaligen Judengasse – der heutigen Nordstraße – erstellt. Seine Arbeit floss bereits in das Modell der historischen Gasse ein, das im November im Rahmen einer Veranstaltung vorgestellt wurde. Auch Iris Lach hat einen wichtigen Beitrag geleistet. Sie hat zahlreiche historische Quellen gesichtet und damit die Grundlage für die historische Einbettung des Spiels geschaffen. Beteiligt sind außerdem die Jüdische Gemeinde Hanau sowie Schülerinnen und Schüler der Karl-Rehbein-Schule und der Otto-Hahn-Schule.

Bei dem Spiel handelt es sich um ein Adventure, erklärt Hachmeister. Die Spieler entdecken und erkunden das historische Setting, lösen Aufgaben und recherchieren. „Ich hatte direkt ein Noir im Kopf, aber mit weniger Action“, berichtet er. Iris Lach betont, dass zahlreiche historische Vorbilder in das Spiel eingeflossen sind, auch wenn die Protagonisten selbst fiktional sind. So basiert etwa die Stellenanzeige, auf die sich Karl bewirbt, auf einer realen Zeitungsannonce aus dem Jahr 1900.

Die Makers wurden von der Jüdischen Gemeinde Hanau in das Projekt einbezogen. Der Verein verfolgt das Ziel, kreatives Handwerk, digitale Technologien und gemeinschaftliches Lernen miteinander zu verbinden. „Wir wollen einen Möglichkeitsraum bieten“, erklärten die Initiatoren Nils Hachmeister und Ioannis Sarigiannidis im Gespräch mit unserer Zeitung im Januar dieses Jahres. Deshalb arbeiten die Macher auch mit Schulen zusammen. Diese Kooperation soll im weiteren Verlauf des Projekts noch ausgedehnt werden. Den Anstoß für das Projekt gab das bereits erwähnte Modell der Judengasse, erklärt Oliver Dainow von der Jüdischen Gemeinde Hanau. „Das Ganze muss mit Leben gefüllt werden“, lautete die einhellige Meinung. So entstand die Idee, die historische Umgebung nicht nur als digitales Modell zu zeigen, sondern sie auch spielerisch erfahrbar zu machen.

„Es soll die ganze Bandbreite des jüdischen Lebens in Hanau ab 1600 abbilden“, sagt Nils Hachmeister vom Verein Makers, einer der beteiligten Institutionen. An der Umsetzung sind zahlreiche Akteure beteiligt. Philipp Lach von Lach Design hat sich um das Rendering gekümmert und ein 3D-Modell der ehemaligen Judengasse – der heutigen Nordstraße – erstellt. Seine Arbeit floss bereits in das Modell der historischen Gasse ein, das im November im Rahmen einer Veranstaltung vorgestellt wurde. Auch Iris Lach hat einen wichtigen Beitrag geleistet. Sie hat zahlreiche historische Quellen gesichtet und damit die Grundlage für die historische Einbettung des Spiels geschaffen. Beteiligt sind außerdem die Jüdische Gemeinde Hanau sowie Schülerinnen und Schüler der Karl-Rehbein-Schule und der Otto-Hahn-Schule.

Für die weitere Entwicklung des Spiels geht es nun vor allem darum, zusätzliche Förderer zu gewinnen. Auch deshalb haben die Initiatoren mit der Vorstellung des Projekts den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt. „Die Umsetzung kostet natürlich Geld“, sagt Nils Hachmeister.