14.02.2022

„Das Schweigen wird größer“: Jüdische Gemeinde Hanau startet Aktionstage an Schulen

Hanau

Wer sich mit dem Judentum beschäftigt, findet sich schnell in einer Gedankenschleife wieder: Das Thema ist geprägt vom Holocaust, dem Gedenken an die Opfer und der Frage nach der Schuld. „Wir beschäftigen uns sehr wenig mit dem Lebendigen und dem jüdischen Leben“, gibt Oliver Dainow zu bedenken.

Der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Hanau, die in Hanau etwas mehr als 200 Mitglieder hat, hat sich aufgemacht, dies zu ändern. Anfang nächster Woche soll auf der Homepage der Jüdischen Gemeinde der Film über den Aktionstag „Jüdisches Leben heute“ an der Karl-Rehbein-Schule freigeschaltet werden. Er kann ein Beispiel geben dafür, wie Bildung und Aufklärung über andere Formen von Religion, Festen, Ritualen aussehen kann.

„Wo würdet ihr euch auf einer Skala von 1 bis 10 zum Wissen über das jüdische Leben einordnen?“ fragt Dainow in dem kurzen Film. Fast alle Schüler der KRS-Oberstufenklasse stellen sich im Bereich zwischen 1 und 3 auf. Wenige Stunden später dieselbe Frage. Die Schülerinnen und Schüler sind zum anderen Ende der Skala gewandert. Zwischen beiden Einordnungen liegt der Aktionstag, bei dem die Mädchen und Jungen auf viele Fragen viele Antworten bekommen haben. Moritz Daniel Oppenheim, dessen Denkmal auf dem Freiheitsplatz steht, mögen sie schon gekannt haben. Jetzt wissen sie vieles über jüdische Feiertage und wissen, dass Bar Mizwa ähnlich wie Firmung oder Konfirmation der Aufnahme junger Menschen an der Schwelle zum Erwachsenwerden in die Gemeinde entspricht. Sie haben über Vorurteile diskutiert und sind schockiert, dass sie mit Stereotypen über Juden eine ganze Tafel füllen können.

(Quelle: Hanauer Anzeiger vom 11.02.2022)

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