31.03.2020

Pressemitteilung des Institut für Toleranz und Zivilcourage - 19. Februar Hanau e.V

News Hanau

Vom 19. Februar bis zur Gründung.

Am 19. Februar 2020 ereignete sich in Hanau einer der schlimmsten terroristischen Angriffe auf die Zivilgesellschaft zu Friedenszeiten. Nach diesem rassistischen Terroranschlag in Hanau standen einige Mitglieder des städtischen Ausländerbeirates vor einer großen Herausforderung und betreuten Tag und Nacht die Angehörigen der Opfer, die Verletzten und die Augenzeugen. Diese Mitglieder des städtischen Ausländerbeirats hatten sich Hand in Hand mit der Stadt Hanau und der Opferberatungsstelle als oberste Aufgabe gesetzt, auf die Wünsche und Bedarfe der Familien zu reagieren. Sie waren mit den Familien der Opfer im engen Kontakt und unterstützten die Familien bei allen Angelegenheiten. Durch dieses Engagement erhielten diese ehrenamtlichen Opferbetreuer in der Öffentlichkeit schnell die Bezeichnung als “Helden der Herzen” (z.B. Artikel aus dem Hanauer Anzeiger vom 01. März 2020) 

Es vergangen viele Tage, in denen wir, Mitglieder der “Helden der Herzen” und die Angehörige der Opfer des rassistischen Angriffs, uns unter anderem folgende Fragen stellten: Wie konnte so etwas in Hanau passieren? Was müsste sich in Deutschland in Hanau verbessern, damit diesen Schmerz und Verlust, was die neun Opferfamilien, die Verletzten und die Augenzeugen erleben mussten, nicht weitere Familien erfahren werden? 

Die Familien und weitere Betroffene empfinden gegenüber diesem Land, in dem sie und ihre Kinder geboren sind, keinen Hass! Sie fühlen sich in Deutschland, in Hanau zu Hause und wollen in die Gesellschaft die Botschaft senden, dass sie ohne Hass und ohne Rassismus leben wollen, dass sie in einer Gesellschaft leben wollen, die vom Frieden und Zusammenhalt geprägt ist. Diese Unterstützung bleibt weiterhin bestehen. 

Der größte gemeinsame Nenner aller Familien ist eindeutig der Wunsch, dass diese Untat und deren Opfer niemals in Vergessenheit geraten. Außerdem darf ein solch schrecklicher Angriff auf friedliche und unschuldige Menschen inmitten unserer Gesellschaft nie wieder passieren - Deshalb müssen spätestens aus diesem schrecklichen Terrorakt Lehren gezogen werden, damit sich eine Zivilcourage und ein gesellschaftliches Bewusstsein entwickelt, das sich für ein engagiertes, kraftvolles und vereintes Auftreten gegen Rechtsextremismus und 
Rassismus einsetzt.

So entstand die gemeinsame Gründungsidee des Instituts für Toleranz und Zivilcourage - 19. Februar Hanau e.V., so dass dieser Verein den Opferfamilien und weiteren Betroffenen eine optimale Plattform bietet, auf der sie sich gegenseitig stärken, gemeinsam weinen, gemeinsam lachen, aber insbesondere auch gemeinsam für die Gesellschaft etwas bewegen. Die hier aktiven Familien und Angehörigen der Opfer des 19. Februar 2020 wollen sich an der gesellschaftlichen Entwicklung beteiligen und ihren Beitrag dazu leisten, damit so ein feiger Anschlag nie wieder passiert. Es ist enorm wichtig, dass die Familienangehörigen, die ihre Liebsten verloren haben, und weitere Betroffene trotz alldem an einen Zusammenhalt appellieren und sich hierdurch von Hass abgrenzen.

Auch möchten wir die Zivilcourage in der Gesellschaft bewusst fördern und freuen uns in diesem Zusammenhang ganz besonders, dass die Hanauer Familie Sözen, die Familie des damals im Alter von 17 Jahren verstorbenen Mustafa Alptug Sözen, ebenfalls bereits Teil des Instituts sind. Mustafa Alptug Sözen, zeigte im November 2018 eine beispiellose Zivilcourage, indem er in das Gleisbett der S-Bahn-Station Ostendstraße in Frankfurt stieg, um das Leben eines Anderen zu retten, und diese Rettung mit seinem eigenen Leben bezahlte.

Heute ist der

19. Av 5780 - 09. August 2020