21.10.2022

Erinnerung an Wüstenwanderung: Jüdische Gemeinde Hanau feiert Laubhüttenfest „Sukkoth“

Hanau

Chag Sameach, Frohes Fest! Sukka ist auf Hebräisch die Laubhütte, Sukkoth heißt das Laubhüttenfest, und darauf zielt der fromme Gruß.

Oliver Dainow, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde, erläuterte rund 30 Besucherinnen und Besuchern einen weiteren Höhepunkt einer Festwoche. Sukkoth habe seinen Ursprung in der Landwirtschaft, sei ein Wallfahrts- und Erntedankfest, der Abschluss des Erntejahres im jüdischen Kalender.

„Aus religiöser Sicht ist es die Erinnerung an die 40-jährige Wanderung durch die Wüste“, lehrte Dainow. „Das von Gott befreite Volk wohnte in provisorischen Häusern, die mussten sie immer wieder auf- und abbauen.“ Solche Hütten bauen die Juden zum Fest. „Für die Wände existieren keine Vorgaben zum Material, sie sollten dem Wind standhalten“, informierte der Sprecher. In Hanau steht auf der Terrasse neben dem Gemeindegebäude ganzjährig eine Sukka.

„Die Wände können bleiben, aber jedes Jahr muss das Dach neu gedeckt werden“, fuhr der Experte fort. Es müsse natürliches Material sein, „das nicht mehr Teil des Bodens ist oder für einen anderen Zweck vorgesehen war“, also Baum- oder Palmenzweige oder Bambus. „Latten aus dem Baumarkt sind nicht erlaubt, die sind ja schon für einen Zaun vorgesehen.“ Es sei auch nicht erlaubt, eine Sukka unter einen Baum zu stellen, er ist Teil des Bodens.

Außerdem soll das Dach „mehr Schatten als Sonne“ in der Hütte verbreiten, was daran erinnere, dass das Volk bei seiner Wanderung von einer Schatten spendenden Wolke umgeben war. „Der dritte Schritt ist auch der schönste“, schwärmte der Gastgeber: „Das Dekorieren ist der Höhepunkt“, mit Kindern, der ganzen Familie und mit Freunden werde der Unterstand geschmückt. Sehr religiöse Jüdinnen und Juden treffen sich nicht nur zum Essen und Trinken in der Sukka, „sie schlafen auch darin und halten sich tagsüber dort auf“.

Die Feiernden halten schließlich eine Art Strauß in Händen und bewegen ihn in verschiedene Richtungen. „Die Schrift fordert, am ersten Tag Früchte von schönen Bäumen zu nehmen, Palmwedel und Zweige von Laubbäumen und Bachweiden und so sieben Tage fröhlich zu sein vor dem Herrn“. Zum Brauch gehört ein Etrog, die Frucht gleicht einer riesigen Zitrone. „Sie riecht sehr gut und schmeckt auch so, sie repräsentiert laut der Überlieferung Personen mit viel Wissen, die damit viel Gutes tun.“ Die Dattel schmeckt gut, riecht aber nicht so angenehm, sie stehe für Leute, die zwar sehr viel wissen, aber wenig Gutes damit tun. Die Myrte riecht wiederum gut, schmeckt aber nicht, sie steht für Menschen, die nicht viel mit der Lehre anfangen können, aber im Leben viel Gutes tun. Die Bachweide sei nicht genießbar und verbreite auch keinen schönen Duft, das symbolisiert Zeitgenossen, die weder Spaß am Lernen haben noch daran, etwas Gutes zu tun. „Alle Menschen sind unterschiedlich, jeder gehört zeitweise zu einer Gruppe. An Sukkoth sollen sie zusammengeführt werden, wir sollen geschlossen miteinander stehen, niemanden vergessen oder ausschließen.“

Dainow unterrichtete seine Zuhörerinnen und Zuhörer noch, dass in Israel ein Tag gefeiert werde, außerhalb zwei. Das habe mit dem jüdischen Kalender, dem Neumond und mit dem damaligen Hohen Rat zu tun. „Chag Sameach“ wünschen sie sich Ende November wieder, dann steigt das einwöchige Lichterfest Chanukka, das an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem 164 vor Christus erinnert.

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